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Ägypten 1966 - Wir dürfen nicht auf die Pyramide

 

- I am sorry, es tut mir so leid, Sie dürfen nicht auf die Pyramide steigen.
Der junge ägyptische Offizier legt sein Gesicht in kummervoll freundliche Falten. Wir stehen vor ihm in unseren zerknitterten Jeans und sehen auch kummervoll aus aber nicht sehr freundlich. Auf den Blick von der Cheops-Pyramide haben wir uns gefreut, seit es sicher war, dass wir diesen Urlaub in Ägypten verbringen können. Meine Frau stößt mich; sagt doch was, heißt das; ich raffe mich auf:
- Aber wir sind doch Bergsteiger, verstehen Sie, climbers.
- I’m sorry; it’s striktly forbidden. Erst vor zwei Monaten sind Amerikander hier abgestürzt …
- Abgestürzt?
- Nun, nicht ganz, aber doch beinahe. Es ist verboten, sorry.
Einen letzten Versuch mache ich noch und krame meinen Bergrettungsausweis aus der Tasche:
- Das ist eine Kletterlizenz, sehen Sie. Wir sind autorisiert ...
- Oh, sehr interessant! Aber das ist keine ägyptische Lizenz. Sie müssen zum Minister gehen, oder zu Nasser. Ich wünsche Ihnen viel Glück.
Wir werden nicht auf der Pyramide stehen, das ist sicher. Um zu einem der bezeichneten Herren zu gelangen, brauchten wir ein Jahr Urlaub.
- Komm, sage ich zu Lilo, von dort droben sieht man auch nur Wüste.
Vor zehn Jahren hätte ich das erleben müssen: Ich wäre doch zu Nasser gegangen, hätte die Wachmannschaft bei den Pyramiden mit französischen Zigaretten vergiftet, wäre in den nächsten Vollmondnacht heimlich hinauf gestiegen. Irgend etwas hätte ich unternommen. Heute unternehme ich nichts. Mein Gipfel-Ehrgeiz ist nicht sehr ausgeprägt.

Das war aber nicht immer so.